Samstag, 19. Mai 2012

Der Wahnsinn im Kopf

Heute konnte ich erleben, wie mein negativer und positiver Mind miteinander oder besser gesagt gegeneinander kämpften:

Ich wollte den Rasen mähen und die Nachbarin hatte uns angeboten, wir können ihren Mäher ausleihen. Wir hatten im März einen Rasenmäher bestellt, der allerdings Lieferschwierigkeiten hat. Ich sah die Nachbarn draußen im Garten und dachte, ach ich räume erst noch den Geschirrspüler ein und dann gehe ich rüber. Doch genau in der Zeit fuhren sie weg. Ich klingelte und niemand machte auf. Ich war genervt und baute stadtdessen den Gartentisch zusammen in der Hoffnung, sie kommen gleich wieder. Beim Schrauben sah ich beiläufig rüber und sah den Rasenmäher! Er stand in 10 Meter Entfernung durch einen kleinen Zaun getrennt. 

Nun ging es los: Der PM (=positive Mind) freute sich: "Los, spring rüber und hol' Dir den Mäher. Bis Ralf vom Baumarkt wieder zurück ist, haben wir schon die Hälfte geschafft und dann hat er mehr Zeit die Steckdosen im Yogaraum fertig zu machen." Es kribbelte in meinen Füßen. Doch dann schaltete sich der NM (=negativer Mind) ein: "Bist Du verrückt. Du kannst doch nicht einfach in einen fremden Garten einbrechen. Das ist Hausfriedensbruch und ein sehr schlechter Beginn für eine gute Nachbarschaft." PM: "Pappalapp. Die haben doch angeboten, Du könntest den haben." NM: "Aber was ist, wenn es einen wichtigen Hinweis gibt, wie man den Mäher bedient? Dann geht der womöglich noch kaputt!" Ich war so genervt über diesen inneren Konflikt, dass ich mir beim Zusammenbauen aus Unachtsamkeit den Finger heftig geklemmt habe. Verdammter Mist! 

Nun hatten wir ja gelernt, dass die Lösung am Besten über den NM (=neutraler Mind) möglich ist. Ich atmete tief durch, legte die Hand auf mein Herz und spürte nach. Die Klarheit kam: "Es fühlt sich nicht gut an, einfach in den anderen Garten zu gehen und den Mäher zu holen. Es ist kein Notfall sondern "nur" selbst gemachter Druck. Ich würde mich auch nicht wohl fühlen, wenn ich wüsste, dass die Nachbarin einfach in meinen Garten geht und den Mäher holt. Das ist einfach nicht friedlich." Da waren NM und PM ruhig. 

Nun traten die wahren Gefühle auf. Ich war sehr genervt, dass es nicht voran ging. Am Dienstagabend beginnt der Yogakurs, es fehlen noch Lampen im Vorraum und Flur, die Garderobe ist auch noch nicht angebracht. Morgen sind wir den ganzen Tag nicht zu Hause, dann ist schon Montag und Ralf muss wieder zur Arbeit. Ich kann mit dem Bohrer keine Löcher in die Decke bohren, der ist einfach zu schwer und die Decke zu hart....

Dann fiel mir die Engelskarte ein, die ich heute Morgen beim täglichen Yoga gezogen hatte: Aufgeben und Loslassen! Na gut. Ich ging in den Keller holte mir ein alkoholfreies Bier und setzte mich in die Sonne. Für eine Weile ging es, doch dann kam Wut hoch. Warum bin ich vorhin nicht gleich rüber gegangen als ich die Nachbarn sah? Den blöden Geschirrspüler hätte ich auch später einräumen können. Wut braucht Handlung! Ich zog meine Gartenhandschuhe an und zog Brennessel aus den Beeten. Wahnsinn, was die für tiefe Wurzeln haben. Ich konnte mich richtig austoben.

Dann kam Ralf mit seinem Vater vom Baumarkt zurück. "Du stell' Dir vor, wir haben einen super guten Rasenmäher gesehen. Ich storniere einfach die alte Bestellung und kaufe den nachher." Das hörte sich nach einer guten Lösung an, aber wer kümmert sich um meinen Yogaraum? Kaum hatte ich diesen Gedanken wahrgenommen, sah ich wie Ralfs Vater in den Keller ging. Er baute die Steckdosen ein, die Lampen und die Garderobe an. Während Ralf losfuhr und den Rasenmäher kaufte...

Sat Nam 

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