Bei der langen tiefen 1-Minuten-Atem-Meditation habe ich heute eine andere Fingerhaltung ausprobiert. Simran Kaur hatte mir erzählt, dass ich ausprobieren soll welcher Finger gerade passt. Aufgrund der Reflexpunkte in den Fingerkuppen die Verbindungen zu bestimmten Bereichen im Gehirn haben, wird jeder zu einem bestimmten Thema zugeordnet. Ich habe erstmals den Daumen mit dem Mittelfinger verbunden. Dieser steht für Geduld und Selbstdisziplin.
Ich spürte einerseits sofort eine tiefere Ruhe, doch andererseits wurde mir auch meine Ungeduld bewusst. Dieses Bewusstsein hielt den ganzen Tag an. Es ist erschreckend wie oft ich am Tag 1000 Dinge auf einmal machen will. Besonders als ich in der Küche stand und das Mittagessen gekocht habe. Mit der einen Hand rühren, die andere räumt gleichzeitig den Messbecher weg und mit dem Fuß schließe ich die untere Schublade.
Wenn ich dabei locker entspannt wie ein Zirkuskünstler wäre, wäre alles in Ordnung. Doch ich bin in Gedanken zusätzlich bereits 10 Schritte weiter. Ich habe das Gefühl, es geht mir alles nicht schnell genug. Obwohl ich einerseits auch Spaß daran habe wie ein Jongleur zu agieren, spüre ich das es meinem Körper nicht gut tut.
Verspannungen in der Stirn und im unteren Rücken spürte ich. Ich ließ los und versuchte in die gespannten Muskeln hinein zu gehen, d.h. sie wahrnehmen und gleichzeitig ausdehnen lassen. Vom SNR kenne ich es, dass es hilft, wenn ich genau den Bereich neben der Verspannung wahrnehme und schaue was da los ist. Meist überträgt sich dann das Gefühl der entspannteren Region auf die verspannte Zone. Ich spürte, wie sich vom unteren Rücken eine Entspannung über die Beine bis in die Füße breit machte. Dann ertönte eine innere Stimme: "Fühle den Boden unter den Füßen. Die Erde trägt Dich und dreht sich, ohne dass Du etwas machen musst." Ich dachte an ein Karussell. Ich habe die Wahl, ich kann die Drehung genießen oder mich verkrampft am Sitz festhalten und wild gestikulieren.
Sich getragen fühlen von Mutter Erde ist schön und hat mir geholfen gelassener weiterzukochen. Mir half es auch, wenn ich während meiner täglichen Handlungen einfach mal Daumen und Mittelfinger mit festem Druck aufeinander legte. Wie eine Erinnerung an die Kraft der Geduld, zu der ich dann leichteren Zugang habe.
Sat Nam
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