Sonntag, 6. November 2011

Meine Oma

Heute bin ich nach Eichenau zurückgefahren. Gestern Abend habe ich mich bereits von meiner Oma, der es gesundheitlich nicht sehr gut geht, verabschiedet. Doch heute um 6 Uhr, als ich losfahren wollte, war sie schon wach. Ich ging zu ihr und setzte mich an ihr Bett. Nur das Flurlicht war an. Wir saßen im Halbdunkeln und weinten still vor uns hin. Immer wieder streichelte ich ihre Wangen und wir hielten uns an den Händen. Wir verabschiedeten uns immer wieder. Sagten Tschüß und dann fiel uns immer noch wieder etwas ein, hielten wieder die Hände.... Wir wissen nicht, ob wir uns noch einmal wiedersehen werden. Wir hatten beide Angst uns zu verabschieden.

Während der Rückfahrt weinte ich viel. Es lief mir nur so über die Wangen und ich schluchzte oft sehr stark. Bis ich 14 Jahre alt war, wohnte ich gemeinsam mit ihr und meinen Eltern in einem Haus. Ich habe sehr viele Erinnerungen, wo sie mich als Kind getröstet hat. Ich fühle mich sehr verbunden mit ihr. Sie hat viele harte Schicksalsschläge in ihrem Leben meistern müssen und doch schafft sie es immer wieder im Moment zu sein. Gestern saßen wir zusammen und sie erzählte mir, dass sie in den letzten Wochen gelernt hat, ihre gesundheitliche Situation zu akzeptieren. Sie weinte dabei und ich mit. Dann war es ganz still und wir schauten gemeinsam in den Garten und sie erzählte mir, wie imposant der Birkenbaum ist und wo sie ihn vor vielen Jahren als klitzekleinen Baum geholt hatte. Und sie freute sich über seine schönen Blätter und den goldenen Herbst. Und ich dachte, sie ist so unglaublich stark, dass sie in so einem schwierigen Moment immer noch das Schöne im Leben sehen kann. Eine wunderbare Charaktereigenschaft von ihr. 

Irgendwann bei der Autorückfahrt merkte ich, dass ich von der Traurigkeit zu sehr ergriffen war. Es war nicht nur Schmerz und Trauer, sondern ein Verhaften. Ein Verstricken in den Emotionen. Immer und immer wieder hatte ich den gleichen Gedanken, der mich traurig machte. Es war ein bisschen wie Selbstquälerei. Ich spürte, dass das nicht gut war und in eine verkehrte Richtung ging. Ich legte die CD von Snatam Kaur mit Ad Gureh Nameh ein und sang mit. Dann weinte ich erst noch viel schlimmer, so als würde mein Herz zerspringen wollen, doch dann wurde es auf einmal besser. Ich konnte wieder tief durchatmen und loslassen. Ich achtete auf meinen bewussten Atem, was mir durch unsere Übungsreihe immer leichter fällt. 

Ich bin froh und dankbar, dass ich in dieser schwierigen Zeit das Yoga habe...

Sat Nam

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