Heute habe ich mich weniger unter Druck gesetzt und fühlte mich stadtdessen müde. So als hätte der gestrige Tag Spuren hinterlassen und jetzt wo ich mehr Gelassenheit zulassen konnte, nutzt der Körper die Gelegenheit um wieder Kraft zu tanken. Ich war auch wütend, dass mein Mann heute wieder losfahren musste, was die Große sofort als Stimmung wahrnahm und mich mit Fragen löcherte. "Warum muss der Papa jetzt unbedingt los?" - "Das dauert doch noch ewig mit dem Umzug. Wieso kann er nicht von zu Hause aus arbeiten?" etc. Alles Fragen, die wir schon mehrfach durchgesprochen haben. Aber im aktuellen Moment kommt noch einmal alles hoch und will bearbeitet werden. Dazu lief im Radio auch noch Weihnachtsmusik und mir schoßen Tränen in die Augen. Das war unangenehm, doch besser als wenn ich es unterdrückt und dafür meine Umwelt mit Gereiztheit genervt hätte. Ich redete die Situation auch nicht schön, sondern sagte, dass es traurig ist und wir wissen, dass es so ist. Und dass wir da durch müssen und es nicht ändern können. Sie seufzte, legte ihren Kopf auf den Tisch und vergrub den Kopf unter ihrem Arm...
Ich strich ihr über die Wange. Sie richtete sich auf und setzte sich auf meinen Schoß. Wir atmeten gemeinsam tief ein und aus. Nach einer Weile ging es uns beiden besser und ich war froh, dass ich nicht unendlich mit ihr geredet sondern einfach mitgefühlt hatte. So war uns beiden geholfen.
Sat Nam
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