In dem Film "Eat,Pray,Love" sagt Julia Roberts (sinngemäß): "Ich möchte einmal wieder einfach nur essen, weil es mir schmeckt und nicht nachdem ich überlegt habe wieviel Kalorien ich gestern zu mir genommen habe und wieviele ich heute essen darf." Ich fand es doppelt gruselig, weil ich mir vorstellen kann, dass sie als Schauspielerin genauso lebt.
Wenn ich sehe wie kleine Kinder normalerweise essen, dann wird mir bewusst wie verrückt der Satz von Julia ist. Ein Kind isst solange bis es satt ist und dann hört es sofort auf. Wenn es nicht Unmengen an Süßem und ungesunden Kram vorgesetzt bekommt läuft das normalerweise gut.
Ich habe mich oft gefragt, warum geht das bei mir nicht so einfach. So extrem wie in dem Film bin ich nicht, aber ich kenne diesen Wahn auch und er ist anstrengend. Es raubt Zeit und Nerven, nimmt Freude am Leben. Im Grunde genommen komme ich auch da am Besten raus, wenn ich wieder meinem Gefühl traue. Wie oft esse ich, nur weil ich glaube, ich brauche jetzt unbedingt etwas. Und die Frage ist, was brauche ich eigentlich wirklich?
Manchmal esse ich, aber in Wirklichkeit sehne ich mich gerade nach Ruhe. Es gab eine Zeit nach dem Abendbrot, da lief ich immer in den Keller und räumte mein Süßigkeitendepot leer. Irgendwann überlegte ich, warum tue ich das? Ich verzichtete darauf und wartete was passiert. Ich wurde unruhig, genervt und lief umher wie ein Tiger in einem Käfig. Da plötzlich erkannte ich, was es war. Die Aussicht nach einem langen Tag die Kinder ins Bett bringen zu müssen empfand ich als puren Streß und mir fehlte die Kraft dafür. Also dopte ich mich mit Süßem. Nach dieser Erkenntnis änderte ich das Abendritual (rechtzeitig mit Abendbrot beginnen, Erziehung zur Selbständigkeit der Kinder (nur bei aufgeräumten Zimmer gibt es eine Gute-Nacht-Geschichte, sonst räume ich auf, aber es gibt aus Zeitgründen keine Geschichte mehr...etc.).
Wie oft esse ich etwas, weil ich glaube, dass sei jetzt gut, aber in Wahrheit schmeckt es mir gar nicht. Wie oft esse ich nicht das, was ich gern mag, weil ich es mir selbst verweigere....
Die Schwierigkeit ist die Gewohnheit. Es gab eine Zeit da hatte ich mich an ungesunden Lebensmitteln so sehr gewöhnt, dass ich dachte, sie schmecken mir tatsächlich, einfach nur weil ich die Alternative nicht mehr kannte....
Das Thema Essen ist sehr komplex und ich brauche viel Bewusstsein um damit in entspannter Art und Weise umzugehen. Ich glaube, dass Yoga hier sehr hilft, weil sich sowohl mein Körper- also auch mein emotionales Bewusstsein verbessert. Ich spüre schneller, wann ich satt bin und fühle stärker, wann ich aus Frust heraus esse. Und ich merke schneller, wann ich wieder dem Kalorienzählwahn verfalle...
Guten Appetit!
Sat Nam
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen