Heute vormittag versuchte ich die Noch-Besitzer von unserem neuen Heim zu erreichen. Es ging niemand ans Telefon. Fakten: Ich hatte es das erste Mal versucht. Es ist wichtig, weil wir einen Termin mitsamt dem Handwerker für die Renovierungsarbeiten machen müssen. Wir haben Januar. Im April müssen die Arbeiten beginnen und abgeschlossen werden.
Leider pfiff mein Kontrollwahn-ich in mir auf die Fakten und marschierte los: Was ist, wenn ich die jetzt nicht erreiche? Vielleicht gehen die nicht ans Telefon, wenn die unsere Nummer sehen, weil die ihre Ruhe haben wollen. Was kümmert die schon unsere Projekte? Der Vertrag ist schließlich unterschrieben. Dann werde ich Ralf vorbeischicken. Aber wenn sie ihn abwimmeln? Sich dadurch alles in die Länge zieht? Werden wir im Campingwagen übernachten müssen? Hoffentlich wird es ein warmer Frühling. Vielleicht sollten wir die Kündigung für unser jetztigen Haus nochmal zurücknehmen?......
Dieser Wahn ist wie ein Mückenstich. Ich weiß, es ist nicht gut ihn aufzukratzen. Es ist schlecht für meine Haut und es ist doch nur ein kleiner Stich. Trotzdem tue ich es, bearbeite ihn als würde mein Leben davon abhängen und mache aus einer Mücken einen großen Elefantenklecks.
Am Nachmittag erreichte ich die Noch-Besitzer und wir haben einen Termin in der 4. Kalenderwoche im Januar ausgemacht. So ein Glück aber auch.
Ich musste an den Film "Eat - Pray - Love" mit Julia Roberts denken, den ich gestern Abend gesehen habe. Als sie zum Meditieren nach Indien geht begegnet sie ebenfalls ihrem Kontroll-Ich, dass es ihr anfangs sehr schwer macht überhaupt eine Minute zu meditieren. Diese ganzen Heuschrecken im Kopf fressen jeden ruhigen Moment auf und sie sind nie satt.
Was hilft gegen Heuschrecken?
- Ich glaube, es gibt kein Patentrezept. Das erste ist das Bewusstwerden. Früher wäre mir mein Wahn erst nach drei Tagen aufgefallen, ich hätte bis dahin meine ganze Umwelt mit meinem "Problem" tyrannisiert und lediglich nach zwei Bieren so etwas ähnliches wie Ruhe gefunden.
- Distanz einnehmen hilft mir, wenn ich es merke. Mich nicht mehr damit identifizieren, sondern mir den Heuschreckenschwarm am Himmel ansehen und mir vorstellen, dass er über mir vorbeizieht.
- Humor: Wirklich kreativ, was mein Kopf so alles produzieren kann.
- Yoga machen. Schnell ins Dreieck springen und drei Minuten lang tief ein- und ausatmen
- Mantren singen: Sa Ta Na Ma hilft mir oft gut.
- Meditieren. Unsere Hausaufgabe mit Ong Namo Guru Deva(a)
- Und diesen blog schreiben.
Sat Nam
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