Am Morgen kam mir bei der 1-Minuten-Atemübung in den Sinn, dass ich heute einen langsamen Tag machen möchte. Ganz bewusst ein Brot schmieren, die Hände waschen, die Haare kämen, etc... Behutsam sein im alltäglichen Tun. "Unterstützend" stand meine Kleine vor mir und sagte, dass es ihr nicht gut geht und sie heute nicht in den Kindergarten will. Der einzige Zeitstreßpunkt war, dass die Große pünktlich in die Schule musste.
Früher war ich oft genervt, wenn die Kinder krank waren und damit all meine Pläne und Freiheiten zunichte machen. Heute bin ich neugierig, wie wohl der Tag verlaufen wird. Natürlich wäre es mir lieber sie wäre gesund. Doch im Winter ist die Haupterkältungszeit und der Kelch kann nicht immer an ihr vorbei gehen. Gespenstisch ist meistens der Moment wo ich mit ihr auf dem Sofa sitze und auf die Uhr schaue: 8.30 Uhr und nu?
Sie ist 4 1/2 Jahre alt und kennt noch keine Gedanken wie "oje, wann werde ich wieder gesund sein?" oder "warum bin ich ausgerechnet jetzt erkältet, da war bestimmt ein Bauklotz angesabbert im Kindergarten" oder "gestern hätte ich die dickere Strumpfhose anziehen müssen, darin wäre mir wärmer gewesen und dann wäre ich jetzt nicht krank....". Sie nahm es an, wie es ist und folgte ihrer Intuition, was ihr gerade gefiel: Buch vorlesen, Bild malen, kleine Spiele spielen, kuscheln, Tee trinken, Kuscheltier suchen, Kuscheltier finden, Hörspiel anschalten.... Diesmal habe ich mich dem ganz und gar hingegeben. Ohne auf die Uhr zu schauen oder zu überlegen, wie ich es anstelle, dass sie sich alleine beschäftigt oder schläft. Es ergab sich alles von selbst. Nach einer Weile des Spielens wollte sie sich ein Hörspiel anhören und ich konnte rausgehen. Am Nachmittag schlief sie ein und am Abend wollte sie früh ins Bett.
Ich hatte heute wieder kostenlosen Unterricht im Thema "So kannst Du im Hier und Jetzt sein". Kinder können wunderbare Lehrer sein.
Sat Nam
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