"Mama, heute bin ich besonders traurig, dass der Papa schon wieder weg muss... Und diesmal hilft es auch nicht, dass wir bald umziehen. Das dauert doch noch so lange", sagte die Große mit großen Kulleraugen. Ralf musste heute (und auch die nächsten Sonntage) schon um 16.30 Uhr losfahren. Die letzten Male haben wir ihn nach dem Abendbrot noch gemeinsam zum Flughafen gebracht. Uns allen fiel der Abschied sehr schwer.
Wir saßen zu dritt am Küchentisch und waren ganz still. Ich hatte auch Tränen in meinen Augen. Früher hätte ich auf die Große eingeredet und versucht ihr alles schön zu reden. Doch ich weiß, dass das in Wirklichkeit ein davon Laufen vor den eigenen Gefühlen ist. Also hielt ich die Stille aus und nahm einfach nur den Moment mit all seinen Facetten wahr.
Schließlich atmete ich tiefer ein und aus, strich den beiden nochmals über ihre Wangen und spürte wie wichtig es ist, den Raum für den Schmerz zu geben. Die Kinder wechselten von sich aus das Thema und unterhielten sich. Sie schienen erst einmal beruhigt zu sein. In mir fühlte ich eine Schwere und ein bisschen Wut darüber, dass ich die Situation nicht sofort verändern kann. Dieser Gedanke tat mir nicht gut und ich fing an mich damit stärker zu beschäftigen als nötig. Das ist der erste Schritt auf den Weg in ein emotionales Wirrwarr, das nicht gut tut. Da sprang ich plötzlich instinktiv auf und schaltete Yogamusik ein.
Sehr schnell kam ich in die ersehnte Neutralität zurück und fühlte mich wieder leichter. Ja, es ist traurig und manchmal hart. Aber jetzt ist er unterwegs und wir sind hier, was machen wir? Wir setzten uns ins Wohnzimmer auf den Boden und fingen an auf DINA3-Blättern zu malen. Im Hintergrund ließ ich die Sadhana-Musik von Snatam Kaur ("Amrit Vela") laufen und wir zeichneten knapp eine Stunde mit ganzer Hingabe. Es war als würden wir uns damit stark auf den Moment zentrieren können und wieder unsere Kraft finden.
Sat Nam
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