Mit Dayajot Kaur habe ich neulich darüber gesprochen wie stark unser Verstand sein kann. Selbst beim Yoga können wir unendlich Zweifel entstehen lassen: Ist das wirklich die richtige Yogaübungsreihe für mich? Wirkt die Meditation tatsächlich oder rede ich es mir nur ein? In dem Yoga-Ausbildungsbuch stehen Sachen drin, also ich weiß nicht, da sehe ich einiges ganz anders.... Zweifel ist gut, weil ich mich dabei überprüfen kann und darauf achte meine Individualität zu leben. Ich kann herausfinden welche Seiten mich besonders ansprechen und welche nicht. Das ist ein Prozeß. Genau wie beim Yoga unterrichten. Den eigenen Stil gilt es Schritt für Schritt zu finden und zu entwickeln.
Unangenehm wird es, wenn aus dem gesunden Zweifeln ein Verzweifeln wird oder eine kategorische Ablehnung. Dann laufe ich Gefahr meinen Gefühlen nicht zu trauen, dieser erfüllenden Ruhe nach einer Yogastunde oder der seeligen Tiefe nach einem Ausbildungswochenende.
Und meine eigene Entwicklung beeinflusst natürlich auch mit welcher Perspektive ich die Yogathemen sehe. Ich lese gerne die Zettel mit den Yogasprüchen an den Yogitees. Einer hat mir früher nicht gefallen, jetzt mag ich ihn, weil ich ihn nun anders verstehe: "Selbstdisziplin ist Dein einziger Freund." Früher empfand ich Selbstdiziplin als verkrampfte und ausschließlich leistungsorientierte Handlung. Und das auch noch als Freund, sogar der einzige? Heute kann ich den Satz annehmen. Selbstdisziplin ist für mich das morgendliche tägliche Yoga, das mir gut tut. Ich mache es weil der Tag dann eine andere Qualität für mich hat. Es geht nicht um Leistung oder Kampf, sondern um eine gesunde Eigenliebe und gleichzeitig um ein angenehmeres Miteinander. Wenn ich klar und entspannt bin, kann ich mich viel liebevoller um meine Kinder kümmern, schönere Gespräche mit Freunden und Familie führen, toleranter meinem Partner gegenüber sein, etc.... Und die Selbstdisziplin als verlässlichen Freund verstehe ich als feste Säule, so dass ich weiß, es kann kommen was will, ich habe etwas an das ich mich halten kann. Oder wie ein anderes Yogazitat es schön ausdrückt: "Wenn Du Dich morgens kalt abduscht, kann Dich den ganzen Tag über nichts mehr erschrecken."
Sat Nam
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