Sonntag, 8. Januar 2012

Mit neuer Uhr durch die Hölle gehen

Ich habe heute Morgen das erste Mal meine neue Uhr beim Yoga ausprobiert. Es ist die runde Meditationsuhr vom Satnam-Versand. Ich habe mich von ihr auch wecken lassen. Sie hat verschiedene Laute und ich habe die Klangschalen-Imitation gewählt. Zur Sicherheit habe ich mir noch meinen alten Wecker gestellt, weil ich Sorge hatte, von dem alle 10 Sekunden ertönenen Laut nicht wach zu werden. Ralf, der es gewohnt ist, dass mein normaler Wecker zu sehr früher Stunde schrillt, schreckte auf und sagte: "Oh mein Gott!" Schlief dann aber gleich wieder ein. Eben erzählte er mir, er hätte das Gefühl gehabt, der Himmel würde ihm auf den Kopf fallen. Der Ton war etwas zu laut eingestellt (schließlich hatte ich bedenken, nicht wach zu werden), aber ich fand es sehr angenehm und fühlte mich schneller viel wacher als sonst.

Beim Yoga benutzte ich die neue Uhr und begab mich weiter in die bedrohlichen Untiefen der Unsicherheit durch Neues. Ich schaute während der Übung mehrmals nach ob sie denn auch wirklich läuft. Ich hatte das Gefühl, die Zeit müsste doch schon längst um sein. Mir fehlte das Vertrauen in die neue Technik. Ich konnte üben, was Vertrauen wirklich bedeutet und ich bin erschrocken, wie sehr ich mich dagegen wehrte. Der Drang immer wieder nachzuschauen war unglaublich groß, noch stärker waren die Gedanken dazu: "Habe ich sie auch wirklich richtig eingestellt? Die Zeit müsste doch schon längst vorbei sein. Ich glaube ich unterbreche die Übung und schaue nach." Natürlich hätte ich die Uhr einfach so platzieren können, dass ich die Zeit immer genau im Blick habe, aber genau das wollte ich nicht. 

Was heißt den Vertrauen eigentlich? Dass ich der Uhr vertraue, das sie rechtzeitig einen Laut gibt. Dass ich den Menschen vertraue, die dieses Gerät hergestellt haben. Dass ich meinen Ohren traue, das sie das Signal hören. Dass ich es schon irgendwann selbst merke, wenn die Uhr nicht funktioniert. Und der Verführung standhalte, sich nicht der Illusion von Kontrolle hinzugeben. Selbst wenn ich ständig nachschauen würde, könnte sie trotzdem im nächsten Augenblick, wenn ich nicht schaue, kaputt gehen.

Die letzte Übung in der Reihe ist eine Herausforderung. Ich stemme mich mit dem Gesicht in Richtung Decke nach oben und bilde eine "Rutsche", d.h. nur meine Hände und meine Fersen berühren den Boden. Dabei bewege ich mich wie ein Krebs, der über den Strand läuft, nur nicht so elegant und auf der Stelle. Es dient sehr der Rückenmuskulatur und das Gefühl nach den drei Minuten ist sehr entspannend. Ich habe zwei Wochen lang täglich diese Übung machen müssen bis ich sie wirklich drei Minuten lang durchhalten konnte und ich schaffe sie nun seit über zwei Wochen täglich. Aber ich habe immer dabei auf die Uhr geschaut, sie verflucht und immer wieder geglaubt, dass ich sie diesmal nicht schaffen werde. Heute habe ich die neue Uhr umgedreht, so dass ich sie auf keinen Fall sehen kann. 

Es war für mich die Hölle. Nach einer Weile fing ich an wütend und verzweifelt zu werden. Dann sagte ich mir: Vertrauen! Einfach nur Vertrauen! Eine weinerliche Stimme in mir meldete sich: Ich kann nicht... Ich fing an zu schluchzen und war sehr verzweifelt. Doch ich blieb dabei. Dann meldete sich eine andere sanfte aber entschlossene Stimme: Du kannst es. Dann kam der erlösende Ton.

Sat Nam    


 

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