Bei der Hospitationsstunde am Montag haben wir eine "afrikanische" Aufwärmung gemacht. Zu Trommelmusik sind wir etwas in die Knie gegangen und stampften mit den Füßen kräftig auf. Zur Unterstützung nahmen wir die Hände zu Hilfe und "stampften" in Richtung Boden, so als würden wir einen Ball prellen. Es ist eine sehr erdende Übung, die die Oberschenkelmuskulatur kräftigt (Vorsicht Muskelkater!) und Halt gibt. Dann drehten wir uns dazu noch im Kreis um uns selbst. Das half mir, Halt in mir selbst zu spüren. Und beim Stampfen dachte ich, ja, denke nicht so viel nach, mache einfach Dein Ding.
Ich finde es manchmal nicht so leicht mich abzugrenzen. Besonders wenn ich die Erwartungen meines Gegenübers spüre und nicht enttäuschen möchte. Ich bin da oft in der Zwickmühle, verspanne mich und versuche eine perfekte Lösung zu finden, wo alle glücklich sind. Meistens lasse ich mich dann auf die Erwartungen des anderen ein und verleugne mein eigenes ungutes Gefühl. Doch Bewusstsein ist der erste Schritt zur Besserung und so habe ich mich gestern Abend erfolgreich in einem Telefonat abgegrenzt.
Eine Bekannte in Norddeutschland hatte mir bereits im Dezember angeboten, dass sie in ihrem Sportverein Kinderyoga unter meiner Leitung anbieten könnte. Ich war erst sehr gerührt von ihrem Vorschlag und ihrer Begeisterung dafür. Doch die Randbedingungen sind ungünstig. Ich muss pro Strecke 30 Minuten mit dem Auto fahren und mich schon jetzt auf Termine festlegen. Wir vereinbarten, dass ich ihr meinen Flyertext zumaile. Doch ich tat es nicht. Ich schob es vor mich hin. Schließlich spürte ich in mich hinein und begriff, dass ich das nicht will. Ich will erst einmal in Ruhe umziehen, mich mit den Kindern einleben und mir Kurse vor Ort aufbauen. Früher wäre mir das alles nicht so gut bewusst gewesen. Da hätte ich mich zu irgendetwas hinreißen lassen (aus Angst, eine Chance zu vertun oder dass es die einzige Möglichkeit ist, Kinderyoga zu geben... etc.). Oder ich hätte tagelang herumgegrübelt, wie ich es ihr sage.
Doch diesmal "stampfte" ich auf, nahm den Hörer in die Hand und sagte auf klarer und netter Weise, was ich nicht will. Sie war schon etwas enttäuscht, verstand aber natürlich meine Situation und wir plauderten noch eine Weile.
Stampfen ist eine gute Sache, nicht nur beim Selbermachen von Kartoffelpüree.
Sat Nam
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