Dienstag, 3. Januar 2012

Yoga an der Kasse

Heute Morgen stand ich an der Kasse und hatte "Mordgelüste". Der Kassierer hatte seinen zweiten Tag (wie er mehrmals betonte) und war sehr langsam. Er nahm die Produkte und brauchte nach meinem Gefühl Stunden um den Strichcode zum Ablesen für den Scanner zu finden. In mir taten sich Abgründe auf. Ich dachte, was ist das eigentlich für ein Idiot, dass er noch nicht einmal in der Lage ist den Kram richtig über das rote Auge zu halten. Und dann auch noch diese ungepflegten Haare, wahrscheinlich ist er in Wirklichkeit ein verkannter Künstler, für den dieser Job sowieso unter seiner Würde ist. Und diese Körperhaltung! So schlumpfig und gelangweilt wie ein stinkender Iltis.... 

Ich merkte, dass ich gerade auf dem Weg war richtig schlechte Laune zu bekommen und schaute zur Seite in ein Regal. Dort lag ein Buch "vegetarisch kochen" und hatte ich plötzlich die Idee, ihm dieses Buch an den Kopf zu hauen... Das hätte er dann seiner Jobvermittlerin erzählen können: "Die Biobranche ist einfach zu gefährlich für mich..." Stop!!!

Was war bloß los mit mir? Gereizt, genervt und aggressiv. Ich atmete tief durch und versuchte mein Mitgefühl wieder zu finden. Es war nicht zu finden, aber die Suche lenkte mich ab von meiner "Finsternis". Als ich im Auto saß, drückte ich sofort den CD-Player. Vielleicht hilft mir Yogamusik. Es lief "Aadees tisäh aadees" von Snatam Kaur. Meine Stimmung hellte sich auf, ich konnte besser atmen und kam näher an meine Mitte. Mir wurde die Härte gegen mich selbst bewusst. Der Wahn, dass alles ganz schnell gehen muss und wenn nicht, dann, dann, dann,.... ja, was dann eigentlich? Nichts, nur ein Hineinsteigern in Fehler anderer Menschen und den eigenen. Interessant ist auch die Seite: Wie konnte ich nur so denken, wozu mache ich denn den ganzen Yogakram. Ich bin so schlecht.... Als würde ich die Peitsche gegen mich selbst erheben. Doch all das löste sich mit jeder Minute des Mantra-Hörens immer weiter auf.

Als ich zu Hause ankam, laß ich nach, was das Mantra in poetischer Übersetzung bedeutet:

Lob Ihm (=Gott, Universum, universelle Kraft...), nur Ihm allein!
Am Anfang bist Du, ohne Ende
im Selbst vollkommen und rein.

Treffer! Tief in unserem Herzen sind wir alle vollkommen... Unser Handeln ist nicht immer "perfekt", aber im Sein sind wir alle vollkommen.

Ich hatte es nur vergessen...

Sat Nam

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